Bogenklassen

Der Langbogen

Der Langbogen ist die archaische Form des Bogens und dient als Oberbegriff für alle einfachen, stabförmig geformten Bogen. In der erweiterten Verwendung steht der Begriff Langbogen auch für Bogen mit flachen Querschnitten (“Flachbogen”), die seit der Mittelsteinzeit in Europa archäologisch nachgewiesen sind.

Er ist der Vorgänger aller Bögen und besteht im Prinzip aus einem Holzstab und einer Sehne. Der Langbogen ist die Kriegswaffe des europäischen Mittelalters. Er wird hauptsächlich im Bereich des 3D-Jagdbogenschießens und des Feldbogenschießens verwendet.

Der Primitivbogen

Der Bogen in seiner einfachsten Ausführung, als Primitivbogen, hat eine sehr lange Geschichte. Ein Fund ist mehr als 30.000 Jahre alt.

Der Instinktiv Bogen

besteht aus einem Mittelstück aus verleimtem Holz, Glasfiber oder Leichtmettal. Auch die Wurfarme können aus Holz, Fiberglas oder Carbon sein. Eine einfache Pfeilauflage, Sehne und ein Nockpunkt sind ebenso vorhanden. Geschossen wird mit Carbonpfeilen.
Gezielt wird intuitiv.

Langbogen Facts

ist für viele Laien der Inbegriff des Bogens, denn „Robin Hood hatte ja auch so einen Bogen„. Nun, ganz ohne ist diese Behauptung ja nicht.
Ein Langbogen besteht aus einem Stück Holz.  Moderne Langbögen werden auch aus mehreren, zusammengeleimten Holzschichten gefertigt.

Zur Unterscheidung des Langbogens von anderen Bogenarten müssen insbesondere zwei Kriterien erfüllt sein: Die Länge entspricht etwa der Größe des Bogenschützen und die Bogensehne berührt den Langbogen nur an den Sehnenaufhängungen (den „Tips“).

Zieleinrichtungen sind nicht erlaubt, man schießt „instinktiv“, d. h. das Ziel kommt ins Blickfeld, der Schütze spannt den Bogen in Richtung des Ziels und schießt ohne lange zu zielen. Langbogenschützen sind vorwiegend an Jagd – und Feldturnieren anzutreffen. Mit ihren oft selbstgemachten Lederköchern und den Holzpfeilen wirken sie wie Besucher aus einer vergangenen Welt.

  • Bogenlänge min. 150cm bei Damen und 160cm bei Herren
  • Keine Pfeilauflagen sind zulässig
  • Das Mittelstück hat keine Markierungen oder dgl.
  • Die Sehne hat. 1 Nockpunkt mit max. 2 Nockpunktmarken
  • Die Sehne hat keine Markierungen oder dgl.
  • Keine Auszugskontrolle ist zulässig
  • Mediterraner Griff oder 3 Finger unter der Nocke, aber nicht gemischt.
  • Nur ein einheitlicher Ankerpunkt ist erlaubt
  • Tab darf keine Ankerplatte haben. Fingerschutz durchgehend wenn 3 Finger unter der Nocke bzw. Fingerlinge fix zusammenhängend
  • Keine Stabilisatoren sind zulässig
  • Nur Holzpfeile mit Naturfedern sind erlaubt
  • Korrekte Beschriftung am Pfeil vorhanden
  • Maximaler Pfeil- (Spitzen) Durchmesser ist 9,3 mm (9,4 mm)
  • Bogenköcher dürfen nicht am Bogen befestigt werden.
  • Keine elektrischen und elektronischen Hilfsmittel sind zulässig.
Primitivbogen Facts

Ursprünglich war der Primitivbogen eine Jagdwaffe. Noch heute erfreuen sich solche Ausführungen unter dem Begriff Selfbow einer großen Beliebtheit unter traditionellen Bogenschützen.

Der Primitivbogen ist ein Bogen beliebiger Form und Laminierung, der aus organischem Naturmaterialien aus Fauna und Flora gearbeitet ist, wie Holz, Horn, Tiersehnen, Leder und Pflanzenfasern.

Per Definition fehlt dem Primitivbogen jedoch die (vollwertige) Pfeilablage. Deshalb halten Bogenschützen die Waffe beim Schießen leicht schräg, um dem Pfeil eine Ablage auf der Hand zu bieten. Der Winkel der Neigung beträgt dabei meist etwa 10 bis 30 Grad.

Zur Herstellung eines Selfbows benötigt man zunächst eine passende Holzquelle. Viele Hölzer eignen sich hierfür wie beispielsweise:

  • Ahorn
  • Eibe
  • Esche
  • Hainbuche
  • Haselnuss
  • Holunder
  • Lärche
  • Ulme

Passend sind ebenmäßige und gerade Stämme mit einer Dicke ab sechs Zentimetern. Ein entsprechendes Stück wird dann der Länge nach zugeschnitten. Daraufhin wird es gespalten. Erst danach entfernt man die Rinde von dem Baumstamm.

Als Material für die Sehne eignen sich sowohl pflanzliche wie auch tierische Fasern. Brennnessel, Lein, Hanf aber auch Darm kann verwendet werden. Bei einer Bogensehne sind drei Werte entscheidend:

  • Reißfestigkeit
  • Gewicht
  • Dehnung

Eine gute Bogensehne verfügt schon mit wenigen Strängen über die notwendige Reißfestigkeit. Da sie einem hohen Verschleiß unterliegt, dreht man die Sehne noch etwas dicker. Aber das steigende Eigengewicht der Sehne wirkt sich auch negativ auf die Beschleunigung aus.

Eine weitere Ausdehnung der Sehne unter Spannung ist nicht wünschenswert. Der Primitivbogen verändert dadurch sein Schussverhalten, weil sich der Abstand zwischen Sehne und Bogenschaft ändert – die sogenannte Standhöhe. Dies lässt sich nicht gänzlich vermeiden, sollte jedoch bedacht werden.

Instinktiv Bogen Facts

Die Stilart Instinktivbogen wird mit einem „blanken“ Bogen geschossen, der jedoch anders als in der Blankbogenklasse im Mittelteil hauptsächlich aus natürlichen Materialien bestehen muss. Er kann dreiteilig sein, es darf jedoch maximal ein Wurfarm einstellbar sein.

Der Bogen wird mit den Fingern ausgezogen und geschossen. Auszugskontrollen und Visiere sind nicht zulässig. Es dürfen alle Arten von Pfeilen geschossen werden.

Beim „instinktiven Schießen“ wird das Unterbewusstsein zum Zielen verwendet. Dabei muss zwischen unbewusst und unterbewusst unterschieden werden. Unbewusst ist im Wesentlichen angeboren, unterbewusst gelernt. Wer sich erschrickt, macht das unbewusst, wer eine Treppe hoch steigt, macht das unterbewusst. Diese Zieltechnik müsste eigentlich genau „unterbewusstes Zielen“ heißen. Hier wird im Unterbewusstsein quasi eine Tabelle mit der gefühlten Entfernung in der einen Spalte und dem Abschusswinkel in der anderen Spalte angelegt. Sieht man nun das Ziel, geht der Bogenarm automatisch in die richtige Position. Das ist eigentlich diese Hand-Augen-Koordination von der man spricht. Um das allerdings zu beherrschen, braucht es viel Zeit und Übung.

  • Mittelstück aus natürlichem Material (Holz, Horn, Bambus) (schichtweiser Aufbau oder ein Stück Holz, Laminate sind erlaubt)
  • Nur Standard Plastikpfeilauflagen sind zulässig
  • Das Mittelstück hat keine Markierungen oder dgl. als Zielhilfe
  • Die Sehne hat einen Nockpunkt mit max. 2 Nockpunktmarken
  • Die Sehne hat keine Markierungen oder dgl. als Zielhilfe
  • Keine Auszugskontrolle ist zulässig
  • Mediterraner Stil oder 3 Finger unter der Nocke erlaubt
  • Nur ein einheitlicher Ankerpunkt ist erlaubt
  • Tab darf keine Ankerplatte haben; eine Versteifung ist zulässig. Fingerschutz durchgehend wenn 3 Finger unter der Nocke bzw. Fingerlinge fix zusammenhängend
  • Keine Stabilisatoren und Zusatzgewichte
  • Korrekte Beschriftung am Pfeil vorhanden
  • Maximaler Pfeil- (Spitzen) Durchmesser ist 9,3mm (9,4mm)
  • Bogenköcher dürfen nicht am Bogen befestigt werden.
  • Keine elektrischen und elektronischen Hilfsmittel sind zulässig.

Der Blankbogen oder Barebow (Recurve)

In dieser Stilart wird mit einem Recurvebogen geschossen, der „blank“ ist. D.h. es dürfen keine weiteren Vorrichtungen am Bogen angebracht sein. Einzig das Anbringen von Gewichten für eine höhere Stabilisation beim Abschuss direkt am Griffstück ist erlaubt. Zudem muss das Mittelteil des Bogens durch einen 12cm-Ring passen. Auszugskontrollen sind nicht zulässig. Der Bogen wird mit den Fingern gespannt und gelöst.

Ohne das Zubehör eines Recurvebogens wird er als Blankbogen bezeichnet.

Der Recurvebogen (olympisch)

Recurve (englisch: zurückgebogen) steht für das Hauptmerkmal dieses Bogentyps, die zurückgebogene Form der Wurfarmenden. Die Begriffe Recurvebogen und Reflexbogen werden synonym verwandt. Die ältesten Nachweise dieses Bogentyps sind die zahlreichen Felsbilder aus der Zeit der Cardialkeramik an der spanischen Mittelmeerküste, auf denen Krieger oder Jäger mit Recurvebogen abgebildet sind.

Nach asiatischen Vorbildern wurde um 1940 der moderne Recurve-Bogen entwickelt. Dieser besteht heute aus einem Aluminium-Mittelteil und Wurfarmen aus Glas- oder Carbonfaser­laminat. Verschiedenes Zubehör (Visier, Stabilisator, Dämpfer) ergänzt diesen Bogen. Er kommt in allen Bereichen zum Einsatz (Indoor/Outdoor/Feldbogen/3D-Jagdbogen), sofern die jeweiligen Regeln das erlauben.

Der Compoundbogen

Der Compoundbogen (v. engl. compound „Verbundstoff“) ist eine moderne Ausführung des Bogens, die 1969 in den USA erfunden wurde.Das auffälligste Merkmal sind kleine nockenähnliche exzentrische „Kurvenscheiben“ bzw. Rollen (engl. camwheels) an den Bogenenden, kurz Cams genannt. Sie verfügen über zwei verschiedene Durchmesser, auf denen Kabel oder Sehnen aufgerollt sind.

Dieser ist der genaueste und stärkste, aber auch technisch aufwendigste Bogen. Durch ein Kabel-Rädersystem kann man mit höherer Spannkraft schießen, ohne dass der Schütze überlastet wird.

Blankbogen Facts

Für den Blankbogen gelten dieselben technischen Merkmale, wie für den herkömmlichen Recurve-Bogen – allerdings sind jegliche Zielhilfen (Visiere jeglicher Art) und alle Stabilisatoren verboten. Der Bogen muss „blank“ sein, d. h. er muss frei sein von Herausstehendem, von Markierungen, Flecken oder von Laminierungen, die als Zielhilfe dienen können. Eingebaute Schwingungsdämpfer (TFC) sind zulässig, vorausgesetzt, es werden keine Stabilisatoren oder Zusatzgewichte angebracht. Wurfarmdämpfer (limb saver) dürfen an den Wurfarminnenseiten angebracht sein. Zusatzgewichte dürfen angebracht werden. Begrenzung: der Bogen muss ungespannt durch einen Messring von 122 mm Durchmesser passen.
Alle für Recurve-Bögen erlaubten Pfeilauflagen und Buttons sind auch für Blankbögen gestattet. Release oder ähnliche Lösehilfen dagegen sind gleichermaßen unzulässig. Nachträglich angebrachte Markierungen auf dem Tab für das Untergreifen (Stringwalking) sind nicht erlaubt. Auch ein „Klicker“ zur Auszugskontrolle ist nicht erlaubt. Es gibt auch keine Einschränkungen zur Pfeilauswahl speziell für den Blankbogen.

Am Anfang des Erlernens wird den angehenden Blankbogenschützen empfohlen, die Pfeilspitze als Visierersatz zu verwenden. Das Zielen erfolgt also, in dem man vom Auge des Schützen über die Pfeilspitze hinweg eine Ziellinie zum Ziel bildet. Die Schwierigkeit daran ist allerdings, dass ein Visier üblicherweise wesentlich höher über der Pfeilauflage positioniert ist, als die Pfeilspitze. Die o.a. Ziellinie beim Visierbogen ist somit viel höher als die des Blankbogens. Auf kurzen Distanzen bedeutet dies, dass mit dem Blankbogen weit unter dem Ziel angehalten werden müsste. Die Blankbogenschützen gleichen dies überwiegend mit dem sogenannten „Stringwalking“ bzw. vereinzelt auch mit dem „Facewalking“ aus.

Die meisten Blankbogenschütze greifen bei der Stringwalking-Methode nicht mit einem Finger über dem Pfeil und mit zwei Fingern unter dem Pfeil die Bogensehne (mediterrane Griff) sondern mit allen drei Fingern grob gesagt so tief unter den Pfeil, wie ein Visier über dem Pfeil stehen würde. Dieser sog. „Untergriff“ variiert bei der Entfernung, die geschossen werden soll. Je näher die Entfernung umso tiefer ist der Untergriff. Der Untergriff „wandert“ somit auf der Sehne und daraus ergibt sich der englische Begriff des „Stingwalking“. Wie weit zu den gegebenen Entfernungen untergegriffen werden muss, richtet sich nach dem verwendeten Material (Bogenlänge, Zuglast, Auszugslänge, Nockpunktposition, unterschiedlichen Pfeilen etc.) und dem vom Blankbogenschützen verwendeten Anker. Charakteristisch für das Stringwalking ist jedoch, dass der Schütze auf allen Entfernungen immer denselben Anker verwendet.

Einige Blankbogenschützen verwenden immer denselben Griff an der Sehne und ankern je nach der zu schießenden Entfernung an unterschiedlichen Punkten im Gesicht. Bei kurzen Entfernungen wird beispielsweise unter dem Kieferknochen geankert, auf mittleren Entfernungen am Mundwinkel und bei weiter Entfernung z.B. auf der Höhe des Jochbeines. Der Ankerpunkt „wandert“ also im Gesicht und daher ergibt sich der englische Begriff des „Facewalking“.

Im Vergleich zum Stringwalking wird beim Facewalking immer gleich gegriffen, aber unterschiedlich geankert. Wenn man es als angehender Blankbogenschütze nach ausdauerndem Üben geschafft hat, mit der Pfeilspitze als Visierersatz und unter Anwendung von „Stringwalking“ oder „Facewalking“ die Pfeile überwiegend auf der Scheibe „unterzubringen“, sollte man sich nicht entmutigen lassen, wenn die Pfeilgruppen nicht so eng sind, wie beim Recurve-Bogen mit Visier. Denn zunächst ist die Pfeilspitze ein viel gröberes Zielwerkzeug als ein Visier und weiterhin werden beim Blankbogenschützen auch kleine Fehler im gesamten Schussablauf „hart bestraft“.

Die grobe Pfeilspitze als Visierersatz multipliziert die durch einen Fehler hervorgerufene Pfeilabweichung. Visierpins sind nur wenige Millimeter dick und Visier-Ringe haben auch nur einen Durchmesser von wenigen Millimetern, die Pfeilspitze jedoch ist z.B. 6 oder 8 mm dick. Macht man beim Visierbogen einen kleinen Fehler im Schussablauf, wird der Pfeil dann möglicherweise anstelle im „Gold“ vielleicht im „Rot“ landen – beim selben kleinen Fehler mit dem Blankbogen ist der Pfeil dann aber schon ein „Schuss ins Blaue“ oder noch weiter weg. Fazit: Nirgendwo ist das Reproduzieren der fehlerfreien reinen Schiesstechnik so wichtig, wie beim Blankbogen! Zudem kann man hier gleiche Fehler nicht durch das Verstellen des Visiers heilen.

Fortgeschrittene Blankbogenschützen wechseln vielfach vom Zielen über die Pfeilspitze zum „Instinktivschiessen“ oder zu Mischformen zwischen beiden Methoden. Die Erläuterung, was man unter dem Begriff „Instinktivschiessen“ versteht, würde den Rahmen dieser Web-Side sprengen. Darüber gibt es ganze Fachbücher und auch die sog. „Experten“ sind sich oft nicht einig. An dieser Stelle sei nur der Hinweis erwähnt, dass beim Instinktivschiessen die oben beschriebene Ziellinie mit dem Schnittpunkt durch das Visier oder über die Pfeilspitze nicht mehr gebildet wird und anstelle dessen, die reine Fokussierung auf den gewünschten Zielpunkt oder das gewünschte Zielbild tritt. Diese Fokussierung kann man z.B. nur erreichen, wenn man beide Augen geöffnet hat.

Das soll aber nicht heißen, dass derjenige, der beide Augen beim Schießen geöffnet hat, immer ein Instinktivschütze ist, denn auch manche Visierschützen haben beide Augen geöffnet und wenn sie nicht zielen wollten, wozu haben sie dann ein Visier? Also so profane Dinge wie ein geöffnetes oder beide geöffneten Augen sind schon nicht eindeutig. Aber was ist eigentlich der Unterschied zwischen Zielen und Fokussieren? Wenn man diese Frage beantworten möchte, schreibt man schon einen kleinen Roman und muss aufpassen, dass man nicht ins „Philosophische“ abschweift – und das war nur eine weitere von vielen möglichen Fragen rund um dieses Thema.

Recurvebogen Facts

Der Recurve Bogen ist der klassische europäische Bogen. Im frühen Mittelalter wurde speziell in England der sogenannte englische Langbogen geschossen. Aus dem Fernen Osten und Asien kam die typische Recurve Form ins Abendland. Da die Wurfkraft größer ist setzte sich dieser Bogen bald in Europa durch. Heute wird als Turnierbogen ausschließlich der Recurve-Bogen geschossen. Gegenüber dem Compoundbogen, der mit dem Flaschenzugprinzip arbeitet und je nach Art der „Rollen“ (Camecords) eine Zugkraftreduktion von bis zu 80% erreichen kann, so ist beim Recurvebogen der Kraftverlauf fast linear ansteigend. Das heißt beim Auszugspunkt des Recurvebogens liegt die volle Leistungskraft auf den Fingern, wobei sie beim Compound um bis zu 80% minimiert wird und erst beim Lösen freigegeben wird.

Der Recurvebogen ist teilbar und besteht aus dem Mittelteil, den Wurfarmen, der Sehne, zum „Zubehör“ zählen das Visier, die Pfeilauflage, der Button, das „Stabilisationssystem“.

Wir unterscheiden hier zwei Arten. Zum einen das Frontvisier (Junior, Stiftvisier) das Visier ist nahe am, oder im Bogenfenster angebracht. Zum Zweiten die Auslegervisiere (AGF Safari, Arten Olympia etc.) diese können den Kornträger an einer „Stange“ vom Bogen weg positionieren. Dieses Verlängern der Visierlinie hat für die Scheibenschützen einige Vorteile. Die Frontvisiere kommen mehr bei den Jagdschützen zur Anwendung

Stabilisation wie der Name schon sagt soll ein Stabilisationssystem die Schwingungen beim Schuss aufnehmen. Damit kann der Bogen ruhiger gehalten werden. Dies zeigt sich deutlich nachher im Trefferbild. Das „Stabilisationssystem kann bestehen aus: dem Monostabi mit eventuellem Schwabbelendgewicht, dem Vorbau mit eventuellem Dämpfer und der Spinne, die die Seitenstabis aufnimmt. Ebenso können noch kleinere Monostabis oben und unten am Mittelteil angebracht werden. Das Stabilisationssystem wird auf den jeweiligen Schützen abgestimmt. Diese Abstimmung sollte nur von einem Fachmann erfolgen. Beim Stabilisationssystem gibt es auch eine Fülle unterschiedlicher Komponenten. Wie schon gesagt auch hier ist nicht das Teuerste das Beste.

Recurvebögen werden nach Möglichkeit auf die Körpergröße und auf die Konstitution des Schützen angepasst  gekauft.Hier eine kleine Tabelle, die Ihnen einen Überblick  verschaffen soll:

Körpergröße: Bogenlänge in Zoll („)
unter 150 cm 54″ = ca. 137 cm
150 – 165 cm 62″ = ca. 158 cm
150 – 165 cm 64″ = ca. 163 cm
160 – 185 cm 66″ = ca. 168 cm
160 – 185 cm 68″ = ca. 173 cm
über 185 cm 70″ = ca. 177 cm

Zuggewichtsempfehlungen für Männer: 20-28 lbs. für selten Sport treibende 28-32 lbs. für sportliche 32-40 lbs. für aktive Sportler

Zuggewichtsempfehlungen für Frauen und Jugendliche: 16-24 lbs. für selten Sport treibende 24-28 lbs. für sportliche 28-32 lbs. für aktive Sportlerinnen

Compoundbogen Facts

Diejenigen die in der FITA seit Jahren Recurve schießen, legen sehr viel Wert auf eine sehr gleichmäßige/ dynamische Kraftentwicklung, verbunden mit einer hohen Präzision.

Auf der Jagd sind jedoch ganz andere Anforderungen, neben der Präzision, an einen Bogen gestellt. Man begibt sich in ein Gelände das nicht immer eben und glatt ist. Hier schießt man bergab, bergauf, über Gewässer und im schwierigen Gelände. Hinzu kommen Faktoren, die ein FITA-Schütze nicht zu fürchten hat, nämlich unterschiedlich große Ziele auf unterschiedlichen und unbekannten Entfernungen.

Der Compoundschütze hat hier eine Vielzahl von Hilfsmitteln:
  • Auszugsreduzierung bis zu 65%, geringerer Kraftaufwand im Endauszug
  • Kurzer Bogen
  • Vergrößerungsglas im Visier ( Scope)
  • Wasserwaage (zum Ausrichten des Bogens)
  • Kimme (Peep-Sight) Feste
  • Auslöser ( Release)
  • Versetzte Pfeilauflage nach hinten in Richtung Sehne (Overdraw)      kürzere Pfeile verwendbar, gestrecktere Flugbahn
  • Extrem Reflexe Bogen (hohe Abschussgeschwindigkeit niedrige Standhöhe)

So wurden auch die Bögen und das Zubehör den Zwecken angepasst. Diese Anpassungen stellen sich in den oben aufgeführten Punkten dar. Ich möchte nun auf den nächsten Seiten die Unterschiede einzeln herausstellen.

Bedeutung von Kabel und Rollen

Beim Compoundbogen werden beide Wurfarme durch je eine Rolle und durch Kabel und Sehne verbunden. Jede Rolle hat zwei umlaufende Nuten. Eine dient zur Aufnahme und Führung der Sehne, die andere dient zur Aufnahme und Führung der Kabel. Die Kabel dienen der Vorspannung der Wurfarme und ziehen die Rollen im Ruhezustand nach vorn. Die Sehne dient der Aufnahme von Peep-Sight, Nockpunkt und zum Spannen des Bogens, die Sehne zieht die Rollen im Ruhezustand nach hinten.

Wenn die Sehne gezogen wird, rollt die Sehne von der Rolle ab, im gleichen Moment wickelt sich das Kabel um die Innenseite der Rolle und kommt unter eine größere Spannung. Hierbei erhöht sich die Bogenspannung die durch die Rollen erzeugt wird.

Beim Lösen rollt sich die Sehne wieder um die Außenrolle und gleichzeitig rollt das Kabel von der Innenrolle bis zum vorgegebenen Anschlag (flache Seite der Rolle).

Wenn eins der beiden Systeme auf einem Wettkampf reißt, so entspannt sich der komplette Bogen, da das Haltemoment des „Gegenläufers“ fehlt.

Einstellung des Zuggewichtes

Wie am Recurvebogen haben auch Compoundbogen eine Verstelleinrichtung zum Erhöhen und Verringern der Auszugskraft. Diese befindet sich an den Wurfarmtaschen und ist meist die Schraube die den Wurfarm an das Mittelteil befestigt. Natürlich haben die Wurfarme eine Grundwurfleistung die sich aus der Fertigung ergeben. Bei den meisten Compoundbogen lässt sich die Auszugskraft um ca. 10 lbs erhöhen oder verringern, Beispiel: Zuggewicht von 40-50 lbs (Herstellerangabe).

Das Zuggewicht kann aber auch auf andere Art beeinflusst werden. Indem man die Sehne eindreht verringert sich das Zuggewicht, da ich den Bogen gewissermaßen schon „vorspanne“. Durch Aufdrehen der Sehne erhöht sich das Zuggewicht, da sich die Sehne mehr um die Rolle legen kann und die Wurfarme sich weiter nach vorn bewegen und somit ihre Vorspannung erhöhen.

Merke:

Eindrehen der Sehne verringert das Zuggewicht und verkürzt die Auszugslänge. Aufdrehen der Sehne verlängert den Auszug und erhöht das Auszugsgewicht des Bogens. Wie durch die Sehne kann man auch durch die Kabel das Zuggewicht verändern. Wenn man die Kabel eindreht verlängert sich der Auszug, da die Rolle weiter nach vorn gestellt wird und die Sehne sich weiter um die Rolle legen muss. Das Zuggewicht erhöht sich. Durch Aufdrehen der Kabel verkürzt sich der Auszug, da sich die Rolle nach hinten dreht und die Sehne weniger um die Rolle legt, der Bogen wird also auch vorgespannt. Das Zuggewicht verringert sich.

Merke:

Verlängerung der Kabel bewirkt eine Verringerung des Zuggewichtes und Verkürzung der Auszugslänge. Das Eindrehen der Kabel führt zur Verlängerung des Auszugs und zur Erhöhung des Zuggewichts des Bogens.

Zugkraftverhalten des Compoundbogens

Wir wissen aus dem Recurvebereich, dass beim Ausziehen des Bogens sich die Zugkraft kontinuierlich erhöht bis zum Erreichen der Auszugslänge. Dies verhält sich beim Compoundbogen so nicht. Hier haben wir über die Vorspannung der Rollen bereits eine größere Zugkraft am Anfang zu überwinden. Wenn man an der Sehne zieht bewegen sich die vorgespannten Rollen nach hinten. Dadurch das die Rollen nicht mittig gebohrt und gelagert sind, kommt es zu einem ,,Kipppunkt wo sich die Rollen hebelverlängert nach hinten drehen. Dieser Kipppunkt ist der Punkt wo der Compoundbogen seine Maximalkraft (Peak-Weight) erreicht hat und der Bogen sich immer leichter ausziehen lässt. Der Auszug endet dann an dem Punkt, wo sich der Bogen mit der geringsten Kraft halten lässt, dem Tal Wenn nun über diesen Punkt hinaus an der Sehne weiter gezogen wird erhöht sich die Zugkraft wieder, da die Rollen in eine Position gebracht werden für die sie nicht gefertigt worden sind und die Sehne, über die Rollen, die Wurfarme belastet.

Zugkraft Round-Wheel
Standhöhe

Wenn man sich einen Weg von der Standhöhe bis zum Tal vorstellt (siehe oben) so ist festzustellen, dass am Anfang eine Zuggewichtserhöhung festzustellen ist und danach die aufzubringende Kraft deutlich weniger wird. Dies hängt mit der Konstruktion der Rollen zusammen. In dem oben dargestellten Schema soll eine runde Rolle dargestellt sein. In dem Schema unten möchte ich gerne die Verhältnisse an einem Cam darstellen.

Zuggewicht

Wie man deutlich sehen kann ist bei einer runden Rolle (Round-Wheel) der Weg des Tales viel größer und der Weg des Peak-Weight viel kürzer als beim „Cam“. Das bedeutet für das Zuggewicht, dass sich ein Round-Wheel dynamischer und gleichmäßiger ziehen lässt als ein Cam. Da heutzutage die Rollen so konstruiert sind, dass Tal und Stop im Bogen ein und den selben Punkt markieren, unterscheiden sich Cam und Round-Wheel nur im Auszugsverhalten (gefühlsmäßig). Es gibt noch einiges mehr indem sich Round, – Energie- und Cam unterscheiden, darauf möchte ich jedoch später eingehen.

Merke: Cam hat ein langen Weg im Peak-Weight und nur ein kurzes Tal. Round-Wheels haben einen kurzen Weg im Peak-Weight und ein langes Tal. Bögen mit einem Cam lassen sich nicht so dynamisch ziehen wie Bögen mit Round – oder Energie Wheels.

Wodurch ergeben sich nun die verschiedenen Abschussgeschwindigkeiten?

Wenn man davon ausgeht, dass wir immer einen gleichen Weg haben, z.B. 28 Zoll Auszug, so finden bei den verschiedenen Rollen unterschiedliche Kraftmomente statt.

Grundsätzlich kann man sich merken, dass ein Round-Wheel ein Talbereich von bis zu zwei Zoll hat, dafür aber nur einen Bereich von ca.1 Zoll im Peak-Weight aufweist ( siehe Diagramm auf Seite 5). Daraus ergibt sich, dass die Kraftabgabe sehr kurz ist aber der Bereich im Tal sehr groß.

Das bietet den Vorteil für Anfänger, dass diese im Endauszug noch nicht so gefestigt sein müssen, um aus der gleich Kraft lösen zu können. Das Tal ist nämlich über den gesamten Bereich gleich stark.

Das Energie-Wheel hat ein kleineres Tal dafür aber einen größeren Bereich im Peak-Weight. Dadurch wird der Pfeil auch länger beschleunigt und hat eine höhere Abschussgeschwindigkeit. Das Tal verkürzt sich um die Verlängerung des Weges im Peak-Weightbereich, da der Weg noch immer 28 Zoll beträgt (Gesamt). Diese Rolle ist schon etwas für den Wettkampfschützen, da es die Vorteile des Round-Wheel (weicher, dynamischer Auszug) mit den Vorteilen des Cam verbindet ( höhere Abschussgeschwindigkeit und guter Stop im Tal). Diese Form der Rolle wird hauptsächlich im Bereich FITA Compound geschossen. Das Cam verkürzt den Weg im Tal sehr extrem und dadurch verlängert sich der Weg im Peak-Weight. Die Kraftabgabe an den Pfeil dauert wesentlich länger und die Beschleunigung ist viel härter durch die Ellipsenform der Rolle. Der Stop im Tal ist sehr hart und erlaubt aufgrund des kurzen Weges kein wandern nach vorn, da der Schütze dann förmlich nach vorne gezogen wird. Diese Art der Rollen werden bevorzugt im Feldbogen – und Jagdbogenbereich geschossen. Durch die sehr gestreckte Flugbahn hat der Schütze wesentliche Vorteile bei der unbekannten Runde. Ein Verschätzen der Entfernung wirkt sich hier nicht so deutlich aus wie z.B. bei einem Round-Wheel. Es ist jedoch sehr schwierig diese aggressiven Rollen im Abschuss zu beherrschen.

Man sollte wissen, dass alle führenden Hersteller die drei verschiedenen Rollenarten anbieten. Es gibt sogar Hersteller die viel mehr verschiedene Typen anbieten, dabei handelt es sich jedoch nur um Abwandlungen der oben aufgeführten Rollen.

Es sollte für den Schützen und Trainer wichtig sein, dass er für den Leistungsstand den richtigen Bogen und Rollen aussucht.